Ringmoccatasse

DESIGN M. Friedlaender-Wildenhain, 1931

Neuinterpretation aus biobasiertem, biologisch abbaubarem Kunststoff

Die „Ringmoccatasse“ wurde von Marguerite Friedlaender-Wildenhain als Porzellangeschirr anlässlich der Eröffnung des Flughafenrestaurants auf dem Airport Halle-Leipzig im Jahre 1931 entworfen. Das Ensemble aus henkelloser Tasse und ringförmiger Untertasse spiegelt die Kernidee des Bauhauses geradezu beispielgebend wider: Die Form folgt der Funktion – die Tasse sitzt stabil im Ring und verlangt keine große Balance beim Servieren.

Die in Lyon geborene Künstlerin hatte ab 1919 zur ersten Generation von Schülern des Weimarer Bauhauses gehört.
1925 war sie ihrem Mentor Gerhard Marcks an die Kunstgewerbeschule „Burg Giebichenstein“ nach Halle (Saale) gefolgt, wo sie (ihres Zeichens erste weibliche Töpfermeisterin Deutschlands) die Leitung der Keramik-Werkstatt übernahm. Von 1929 bis zu ihrer Emigration 1933 schuf sie unter anderem zahlreiche Ent- würfe für die Königliche Porzellanmanufaktur (KPM) in Berlin.


Neuinterpretation mit Zukunftswerkstoff

Die Ringmoccatasse von Marguerite Friedlaender-Wildenhain wurde mit Blick auf das bevorstehende Jubiläum „100 Jahre Bauhaus“ und anlässlich des in Halle stattfindenden Kongresses „BIOPOLYMER – Processing & Moulding“ neu interpretiert: Die auf 1.000 Exemplare begrenzte „Edition BIOPOLYMER“ entstand aus biobasiertem, biologisch abbaubarem Kunststoff. Durch die Verknüpfung des zeitlosen, langlebigen Designs Friedlaenders mit dem Zukunftswerkstoff rücken die Initiatoren einen weiteren, auf den ersten Blick überraschenden Aspekt von Nachhaltigkeit ins Blickfeld: den der Vergänglichkeit.

Damit stellen sie sich einer für den Erhalt der Natur wie auch für die Kunststoffwirtschaft existenziellen Herausforderung: Wie kann es gelingen, Polymere sowohl für kurz- als auch für langlebige Güter zur Verfügung zu stellen, die einerseits höchsten Gebrauchswert bieten, aber andererseits nach ihrer Nutzung wieder zu Bestandteilen unserer natürlichen Umgebung werden können? Dies ist das Thema der zweitägigen Konferenz in Halle an der Saale.

 


Die Initiatoren der EDITION BIOPOLYMER

Die BASF AG, einer der weltweit führenden Hersteller von Kunststoffen, stellte für das Projekt sein Material ecovio® zur Verfügung. ecovio® ist ein biologisch abbaubares und biobasiertes, weltweit zertifiziertes Kunststoff-Compound. Es kommt ins- besondere für Folienanwendungen, aber zum Beispiel auch als kompostierbarer Hochleistungsschaumstoff zum Einsatz. Seit sechs Jahren wird es erfolgreich als Spritzgussmaterial genutzt. Mit mehr als 15-jähriger Marktpräsenz auf dem Gebiet der zertifiziert kompostierbaren Plastwerkstoffe gehört die BASF zu den Vorreitern auf diesem Gebiet.

Die Merseburger Exipnos GmbH stellte Produktionskapazitäten für die Fertigung bereit. Dabei kam ein im eigenen Hause ent- wickeltes Verfahren zum Einsatz, das Compoundieren und Spritzgießen verknüpft: Direct Compounding Injection Molding (DCIM). Im Gegensatz zu klassischen Verarbeitungsmethoden werden hier mehrere Prozessschritte und zugleich große Mengen Energie eingespart. Außerdem können die Verarbeitungspara- meter optimal durch den Spritzgießer kontrolliert werden. Das ermöglicht eine mechanisch schonendere Verarbeitung bei niedrigeren Temperaturen, was gerade bei Biopolymer-Werkstoffen entscheidende Qualitätsvorteile mit sich bringt.

Konstruktion und Bau der Werkzeuge übernahm die Firma Dr. Bryholm Formen- und Werkzeugbau GmbH & Co. KG, Pegau.

Das Fraunhofer-Institut für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen IMWS ist ein gefragter Partner der Industrie, wenn es gilt, Materialeffizienz und Wirtschaftlichkeit zu steigern und Ressourcen zu schonen. Für die „Edition BIOPOLYMER“ stellte das hallesche Institut wichtige Forschungs- und Entwick- lungskapazitäten bereit. Fertigungstests wurden insbesondere am Fraunhofer-Pilotanlagenzentrum für Polymersynthese und -verarbeitung PAZ in Schkopau durchgeführt. Das PAZ ist eine gemeinsame Initiative des Fraunhofer IMWS mit dem Fraunhofer- Institut für Angewandte Polymerforschung IAP in Potsdam-Golm.

Als Wirtschaftsförderungsgesellschaft Sachsen-Anhalts unterstützt die Investitions- und Marketinggesellschaft Sachsen-Anhalt mbH (IMG) die „Edition BIOPOLYMER“ sowohl ideell als auch finanziell. Verknüpft das Projekt doch zwei Themen, die für das Land ebenso brandaktuell wie identitätsstiftend sind: zum einen die Kunststoffindustrie, die im mitteldeutschen Chemiedreieck wichtige Wurzeln hat und bis heute die Wirtschaft im Süden des Landes prägt. Zum anderen das Bauhaus als Hoch- schule für Design, deren 1OO. Gründungstag 2O19 gefeiert wird und die – insbesondere auch von Dessau aus – Architektur, Design und Kunst entscheidend beeinflusste.

Die „POLYKUM – Fördergemeinschaft für Polymerentwicklung und Kunststofftechnik in Mitteldeutschland“ ist ein Kooperationsnetzwerk von Unternehmen, Forschungseinrich- tungen und Hochschulen. In dem gemeinnützigen Verein, der auch die internationale Tagung „BIOPOLYMER – Processing & Moulding“ organisiert, wurde die Idee für die „Edition BIOPOLYMER“ geboren. Bei POLYKUM liefen auch die Fäden der Projektarbeit zusammen, die symbolisch für das steht, was die Gründer 2OO2 als Kernaufgabe in die Satzung schrieben:Förderung des Wissens-, Innovations- und Technologietransfers.