BIOPOLYMER-Award: Preisträger kommen aus Belgien, Brasilien und Deutschland

Biokunststoffe erobern neue Einsatzgebiete, vom Wohnungsbau bis zur Fahrzeugindustrie. Sie tragen dazu bei, Abhängigkeiten von Öl und Gas ebenso wie den CO2-Fußabdruck zu minimieren. Und sie werden auch preislich zu interessanten Alternativen. Die von der Jury nominierten Preisträger der diesjährigen BIOPOLYMER Innovation Awards liefern eindrucksvolle Belege für diese Trends. Bei der feierlichen Preisverleihung auf dem Kongress „BIOPOLYMER – Processing & Moulding“ am 14. Juni stellen die aus Belgien, Brasilien und Deutschland stammenden Gewinner ihre Innovationen exklusiv vor. Teilnehmer aus aller Welt können kostenfrei dabei sein.

 

Aus Flachs werden Fasern gewonnen, die die Eigenschaften von Kunststoffen verbessern können.
© Emma Landis/ Pixabay

Merseburg, 3. Juni 2022. Die Fülle hochwertiger Bewerbungen aus Belgien, Brasilien, Holland, Italien und Deutschland stellte die Jury des BIOPOLYMER Innovation Awards in diesem Jahr wieder vor eine spannende und anspruchsvolle Aufgabe. Nach einem mehrstufigen Auswahlprozess nominierte das Preisgericht die folgenden drei Unternehmen als Kandidaten für den mit 2.000 Euro nominierten Hauptpreis (Nennung in umgekehrt alphabetischer Reihenfolge der Firmennamen).

Bei der feierlichen Preisverleihung auf dem Kongress „BIOPOLYMER – Processing & Moulding“ am 14. Juni werden dem Sieger sowie dem Zweit- und Drittplatzierten die begehrten handgefertigten Trophäen überreicht. Die drei Preisträger stellen ihre Innovationen vor und stehen auch für Fragen aus dem Publikum zur Verfügung.

SachsenLeinen GmbH

Markkleeberg (Deutschland)

entwickelte ein Verfahren zur Herstellung von Unidirectional(UD)-Tapes aus Hanffasern und biobasierten Kunststoffen wie PLA und PA. UD-Tapes werden in Formteilen (zum Beispiel von Microcars, Sportgeräten und dergleichen) verarbeitet, um hochstabile und ressourcensparende Strukturen mit weiteren innovativen Eigenschaften wie z.B. einer hohen Schwingungsdämpfung zu ermöglichen. Die in einer Richtung orientierten Fasern erlauben es, Steifigkeiten und Festigkeiten in solchen Komponenten bei minimalem Gewicht präzise zu „dosieren“. Die naturfaserverstärkten UD-Tapes von SachsenLeinen können nicht nur bisher üblichen glasfaserverstärkte UD-Tapes aus Polypropylen oder anderen konventionellen Kunststoffen Konkurrenz machen, sondern setzen auch preislich neue Maßstäbe bei natürlichen Faserverbundhalbzeugen. Die Hanffasern wachsen in der Region, die Tapes können recycelt, somit als kurzfaserverstärkter Kunststoff wiederverwendet und je nach eingesetztem Polymer am Ende der Lebensdauer biologisch abgebaut werden.
www.sachsenleinen.de

Home Eos SA

Farciennes (Belgien)

hat mit „stopsound“ einen neuartigen biobasierten, biologisch abbaubaren Kunststoff entwickelt, der hervorragend Vibrationen absorbiert, von Natur aus feuerhemmend und wärmeisolierend wirkt und bei seiner Herstellung bis zu acht Mal weniger Energie verbraucht als ähnliche konventionelle Kunststoffe. Der schalldämmende Schaum, der ohne Weichmacher, Lösungsmittel und klassifizierte Chemikalien dauerelastisch bleibt, kann leicht mit anderen Werkstoffen verbunden werden. Das Material findet im Fahrzeugbau ebenso Anwendung wie zum Beispiel in Fußböden, Fassaden oder im industriellen Schallschutz. Mit dem umfangreich zertifizierten Biokunststoff können klassische petrochemische Materialien wie Bitumen, PVC oder EPDM damit perspektivisch in Größenordnungen ersetzt werden.
www.eos-technology.eu

Earth Renewable Technology (ERT)

Curitiba (Brasilien)

hat die Jury mit einer compoundiertechnischen Meisterleistung überzeugt, die dem weltweit bislang wohl meistgenutzten Biopolymer, Polylactid (PLA), nach Überzeugung der Juroren neue Anwendungsmöglichkeiten eröffnet. Mit seinem „Short Fiber Reinforced (SFRP) in FC 10130 biopolymer composite” integriert das seit dem vergangenen Jahr in Brasilien aktive US-Unternehmen PLA-Fasern erfolgreich in eine PLA-Matrix. Das so entstehende Monomaterial ist nicht nur besonders gut recycelbar, sondern verleiht dem biobasierten und bioabbaubaren Kunststoff deutlich verbesserte Gebrauchseigenschaften. So steigt die Bruchdehnung nach ERT-Angaben bis auf das Fünfzigfache. Die Schlagzähigkeit wird verfünffacht und die Wärmeformbeständigkeit verdoppelt. Die Barrierewirkung gegen Wasserdampf steigt bis auf das Zwanzigfache, die gegen Sauerstoff bis auf das Vierfache.  Die Technologie kann im Spritzguss, in Extrusionsverfahren und im Thermoforming genutzt werden.
www.earthrenewable.com/solutions/biocompounds