Kunststoff: Auch in der Ausbildung vielseitig

Eine Berufsausbildung in der Kunststoffbranche? Nur wenige Schulabgänger kennen die Karrierechancen in diesem interessanten und vielseitigen Industriezweig. Zu den relativ jungen Berufen, die der Ausbildungsverbund Olefinpartner e.V. (AVO) seit drei Jahren für und mit Partnerunternehmen ausbildet, gehört der des Verfahrensmechanikers Kunststoff- und Kautschuktechnik. Wie ist das, ein Azubi in der Kunststoffindustrie zu sein? Und was lernt man dabei?

Beim Ausbildungsverbund Olefinpartner durchlaufen Auszubildende zum Verfahrensmechaniker für Kunststoff- und Kautschuktechnik einen vielfältigen Lehrplan. (Foto: AVO/Markus Scholz)

Ich kannte den Beruf des Verfahrensmechanikers für Kunststoff- und Kautschuktechnik, oder VM KuK, wie wir hier sagen, bis zur Berufsorientierungsmesse Chance in Halle noch nicht, sagt Paul Schubert. Der 18-jährige hat am Messestand des AVO und der Manuli Stretch GmbH auf der Messe zum ersten Mal etwas über diesen Beruf erfahren. Ich interessierte mich damals für mehrere Berufe in der Industrie. Mit Kunststoff zu arbeiten, hatte zusätzlich einen neuen Reiz, erzählt der Bad Lauchstädter, der nun im zweiten Lehrjahr bei Manuli Stretch in Schkopau ist.

Auch Azubikollege Daniel Heinrich hat seine Ausbildung zum Verfahrensmechaniker Kunststoff- und Kautschuktechnik im August 2016 beim AVO und bei seinem Ausbildungsunternehmen BYK Chemie GmbH begonnen. Der 26-jährige hat sich bewusst einen Beruf in der Industrie gesucht, nachdem er bereits eine Ausbildung als Hotelfachmann abgeschlossen hat. Ich habe mich gezielt informiert, auch über Möglichkeiten nach der Ausbildung. Kunststoff ist zukunftssicher, ist der junge Mann aus Halle überzeugt.

Metall-Basics für Kunststoff-Know How

2014 bot der Ausbildunsgverbund Olefinpartner in Kooperation mit seinen Partnerunternehmen die dreijährige Ausbildung zum ersten Mal an. Vor allem im ersten Ausbildungsjahr lernen die jungen Leute häufig im Trainingszentrum des AVO auf dem Gelände des Industrieparks in Schkopau, im zweiten Jahr dann in größeren Abständen zu gezielten Vertiefungs- und Erweiterungsmodulen. Die weitere Ausbildung erfolgt im jeweiligen Unternehmen. Thomas Giesecke, Ausbilder im Bereich Metall beim Ausbildungsverbund Olefinpartner, macht die Azubis auch in der Bearbeitung von Kunststoffen fit. Um zu lernen, wie ich mit Kunststoff umgehe, muss ich auch wissen, wie ich andere Werkstoffe bearbeite. Auch ein VM KuK muss schweißen können erklärt er. Wer Kunststoffmechaniker werden will, der sollte dazu in der Lage sein, Extruder selbstständig in Betrieb zunehmen, zu warten und Fehler zu beheben. Das geschieht durch Pneumatik, so Giesecke, deren Basics man in der Metallbearbeitung lernt. Ich finde es gut, dass wir beim AVO aus jedem Ausbildungsbereich die für uns relevanten Dinge lernen. Verfahrenstechnik, Metall- und Kunststoffbearbeitung, Elektropneumatik – ich merke das vor allem in der Berufsschule: Dort werden uns Begriffe erklärt, die wir hier bereits praktisch erprobt haben, so Heinrich.

Ab dem zweiten Lehrjahr können die Auszubildenden das Gelernte im Unternehmen vertiefen. Unsere Azubis werden in der Rohstoffbevorratung und -beschickung eingesetzt. Sie bedienen Extruder und Mischanlagen, reinigen und kalibrieren Anlagen. Unsere erfahrenen Mitarbeiter leiten dabei die jungen Leute an, so erhalten sie einen detaillierten Einblick in die Anlagentechnik, erklärt Thomas Merk, Leiter der BYK-Chemie GmbH am Standort Schkopau.

Erfolgreich, aber unbekannt

Noch zu wenige Jugendliche aus der Region kennen den Beruf des Verfahrensmechanikers für Kunststoff- und Kautschuktechnik – und wissen von der zukunftssicheren Branche. Die Berufsberater in den Schulen und den Informationszentren sollten den VM KuK kennen und seine Vielseitigkeit betonen. Es ist ein noch relativ neuer Beruf, dessen Facharbeiter gesuchte Leute sind, weiß Thomas Giesecke vom AVO. Aus meiner Sicht muss umfangreicher auf die Vorteile von Kunststoffen und ihre vielfältigen Einsatzgebiete hingewiesen werden. Verbundsysteme, bei denen Kunststoffe mit anderen Materialien wie zum Beispiel Holz kombiniert werden, sind der absolute Trend in der Industrie. Die wenigsten jungen Leute können jedoch damit was anfangen. Hier muss mehr Aufklärung erfolgen. Die Kunststoffbranche ist zukunftssicher und erfolgreich, betont auch Thomas Merk von BYK-Chemie. Und wem würden die Azubis den Ausbildungsberuf weiterempfehlen? Ich würde jedem und jeder zu dem Beruf raten, der handwerklich arbeiten möchte und einen Arbeitsplatz in der Industrie sucht, der sehr vielseitig ist, überlegt Paul Schubert. Daniel Heinrich ergänzt: Nach der Ausbildung kann man sich z.B. durch Weiterbildungen oder ein Studium der Verfahrensmechanik weiter einwickeln. Ich denke, es ist ein Beruf mit Zukunft.